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Weihnachtszeit und Korruption: Wenn aus einer Aufmerksamkeit ein Compliance-Risiko wird

Autorenbild: Florian Habel
Florian Habel
vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit


Geschenke gehören zur Weihnachtszeit – doch im geschäftlichen Umfeld ist die Grenze zwischen Wertschätzung und unzulässiger Einflussnahme nicht immer eindeutig.


Ein Präsentkorb für einen wichtigen Geschäftspartner. Eine Einladung zum Weihnachtsessen. Eine Flasche Wein als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit. Was im privaten Umfeld selbstverständlich erscheint, kann im beruflichen Alltag schnell Compliance-Fragen aufwerfen.

Gerade zum Jahresende sollten Unternehmen deshalb nicht nur großzügig, sondern auch aufmerksam sein.


„Nicht jedes Geschenk ist problematisch. Entscheidend ist, ob eine Zuwendung transparent, angemessen und frei von jeder Erwartung einer Gegenleistung erfolgt.“– Florian Habel

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie teuer ist das Geschenk?


In der Praxis wird beim Thema Geschenke häufig zuerst über Wertgrenzen gesprochen. Diese können ein sinnvolles Instrument interner Compliance-Richtlinien sein. Für die Beurteilung einer konkreten Situation reicht der Preis eines Geschenks allein jedoch nicht aus.


Mindestens ebenso wichtig ist der Zusammenhang.


Erhält beispielsweise eine Person, die gerade über einen Auftrag entscheidet, wenige Tage vor der Vergabe ein hochwertiges Geschenk von einem Anbieter, entsteht eine völlig andere Situation als bei einer geringwertigen, offen übergebenen Aufmerksamkeit ohne Bezug zu einer anstehenden Entscheidung.


Besondere Vorsicht ist im Umgang mit Amtsträgern und Beschäftigten des öffentlichen Dienstes erforderlich. In der Bundesverwaltung gelten besonders strenge Vorgaben; das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass Belohnungen und Geschenke nicht angenommen werden dürfen.


Weihnachtszeit als Compliance-Stresstest


Die Wochen vor Weihnachten sind deshalb ein guter Zeitpunkt für einen kleinen Realitätscheck des eigenen Compliance-Systems.

Fünf Fragen können dabei helfen:


  1. Gibt es klare Regeln für Geschenke und Einladungen?Mitarbeitende sollten wissen, was sie annehmen oder gewähren dürfen und wann eine Genehmigung erforderlich ist.

  2. Werden Zuwendungen transparent dokumentiert?Ein Geschenkeregister kann verhindern, dass viele einzeln unauffällige Zuwendungen in ihrer Gesamtheit übersehen werden.

  3. Werden besonders sensible Funktionen berücksichtigt?Einkauf, Vergabe, Beschaffung und andere entscheidungsrelevante Bereiche benötigen häufig strengere Regeln.

  4. Gibt es einen Zusammenhang mit einer konkreten Entscheidung?Je näher eine Zuwendung zeitlich an einer Ausschreibung, Vertragsverlängerung oder Auftragsentscheidung liegt, desto genauer sollte hingesehen werden.

  5. Wissen Mitarbeitende, wen sie im Zweifel fragen können?Eine gute Compliance-Kultur zeichnet sich nicht dadurch aus, dass niemals Unsicherheit entsteht. Entscheidend ist, dass Unsicherheiten offen angesprochen werden können.



Der aktuelle europäische Kontext


Korruptionsprävention bleibt auch 2026 ein aktuelles wirtschaftspolitisches Thema. Die Europäische Union hat eine neue Antikorruptionsrichtlinie verabschiedet, die zentrale strafrechtliche Regelungen innerhalb der EU stärker harmonisieren soll.


Für Unternehmen ist das ein weiteres Signal: Compliance sollte nicht als Sammlung formaler Regeln verstanden werden, sondern als Bestandteil funktionierender Governance.

Das gilt besonders für Organisationen, die international tätig sind oder mit öffentlichen Auftraggebern, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Förderinstitutionen zusammenarbeiten.


„Die beste Compliance-Regel ist eine Regel, die Mitarbeitende verstehen und im entscheidenden Moment tatsächlich anwenden können.“– Florian Habel

Was kann die Innenrevision beitragen?


Für mich ist die Weihnachtszeit auch aus Sicht der Innenrevision interessant. Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob eine Richtlinie existiert, sondern ob sie in der Praxis funktioniert.

Eine Revision kann beispielsweise untersuchen, ob Genehmigungsprozesse eingehalten werden, Geschenkeregister vollständig sind, Verantwortlichkeiten funktionieren und Auffälligkeiten konsequent verfolgt werden.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jede kleine Aufmerksamkeit unter Generalverdacht zu stellen.

Im Gegenteil: Gute Compliance soll geschäftliche Beziehungen ermöglichen und gleichzeitig klare Grenzen schaffen.


Aus meiner langjährigen Tätigkeit in Revision, Finanzwesen und Compliance weiß ich, dass problematische Entwicklungen häufig nicht mit einem spektakulären Regelverstoß beginnen. Sie entstehen schrittweise: Eine Ausnahme wird akzeptiert, beim nächsten Mal etwas großzügiger ausgelegt und irgendwann wird aus einer informellen Gewohnheit ein tatsächliches Risiko.


Ein einfacher Praxistest


Eine Frage hat sich dabei immer wieder bewährt:

„Wäre es für alle Beteiligten problemlos, wenn dieses Geschenk und sein Anlass morgen vollständig transparent gemacht würden?“

Wenn bei dieser Vorstellung Unbehagen entsteht, sollte die Zuwendung zumindest genauer geprüft werden.

Das ist keine juristische Prüfung – aber ein erstaunlich wirkungsvoller erster Compliance-Check.


Weihnachten darf Weihnachten bleiben


Korruptionsprävention bedeutet nicht, jede menschliche Geste aus dem Geschäftsleben zu verbannen.

Ein aufrichtiges Dankeschön, eine Weihnachtskarte oder eine angemessene Aufmerksamkeit können weiterhin Ausdruck einer guten Geschäftsbeziehung sein.

Entscheidend sind Angemessenheit, Transparenz und Unabhängigkeit.

Unternehmen sollten die Weihnachtszeit deshalb nutzen, ihre Regeln für Geschenke, Einladungen und sonstige Zuwendungen noch einmal in Erinnerung zu rufen. Eine kurze interne Information kann manchmal wirkungsvoller sein als ein umfangreiches Compliance-Handbuch, das niemand zur Hand nimmt.

„Gute Compliance verhindert nicht die Weihnachtsfreude. Sie sorgt dafür, dass aus einer freundlichen Geste kein Problem im neuen Jahr wird.“– Florian Habel

Fazit


Gerade die vermeintlich kleinen Situationen zeigen, wie gut eine Compliance-Kultur tatsächlich funktioniert.

  • Sind Regeln verständlich?

  • Werden Zweifelsfälle angesprochen? Handeln Führungskräfte selbst konsequent? Und sind Kontrollen so ausgestaltet, dass sie Risiken erkennen, ohne den Geschäftsalltag unnötig zu erschweren?

Wer diese Fragen überzeugend beantworten kann, hat bereits einen wichtigen Schritt zu einer wirksamen Korruptionsprävention getan.


Sie möchten Ihre Regelungen zu Geschenken, Einladungen und Korruptionsprävention überprüfen oder die Wirksamkeit Ihres Compliance-Systems durch die Innenrevision betrachten lassen?


Compliance Partner unterstützt Unternehmen, Hochschulen und öffentliche Einrichtungen dabei, Risiken praxisnah zu erkennen und tragfähige Kontrollstrukturen aufzubauen.


Sprechen Sie mich gerne vertraulich an.

 


 
 
 

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